Höheres Klimarisiko, niedrigerer Preis: Modell zeigt Effekte auf Wohnimmobilien
Höheres Klimarisiko, niedrigerer Preis: Modell zeigt Effekte auf Wohnimmobilien
Starkregen, Hitze, Hochwasser: Für Immobilien wird der Klimawandel immer mehr zum Belastungstest. Was heute noch als sichere Anlage gilt, kann morgen schon unter Wertrisiken leiden – durch Extremwetter, strengere regulatorische Vorgaben oder steigende Kosten. Für Eigentümer, Investoren und Bestandshalter wird damit eine Frage immer drängender: Welche Gebäude bleiben zukunftsfähig und wo drohen Wertverluste? Genau diesem Thema hat sich Paul Geßner von der Technischen Hochschule Aschaffenburg in seiner Masterarbeit gewidmet. Die Hochschule bewertete die Arbeit mit der Bestnote 1,0.
Der Titel der prämierten Arbeit lautet: „Analyse der physischen und transitorischen Faktoren bei Bestandsimmobilien im Kontext des Klimawandels – Entwicklung einer Handlungsempfehlung zur Vermeidung von Stranded Assets“. Paul Geßner untersucht darin, wie sich Klimarisiken bei Wohnimmobilien erfassen und vergleichbar machen lassen. Dafür verbindet er zwei Risikobereiche, die in der Praxis oft getrennt betrachtet werden: physische Risiken durch Wetterereignisse und klimatische Veränderungen sowie transitorische Risiken durch Regulierung, Marktanforderungen und energetische Vorgaben.
Aus diesen Faktoren entwickelte der Preisträger ein Scoring-Modell, den sogenannten Stranded Asset Index. Er zeigt, wie stark eine Wohnimmobilie durch Klimarisiken gefährdet ist. Eine anschließende Regressionsanalyse macht deutlich: Je höher das Klimarisiko, desto niedriger der Angebotspreis von Wohnimmobilien. Dadurch entsteht eine methodische Grundlage, die Klimarisiken messbar, vergleichbar und vor allem entscheidungsrelevant macht.
Der NAIMMA
Mit dem NAIMMA fördern D.R.E.A.M. Deutsche Real Estate Asset Management, HANNOVER LEASING und die WISAG Hochschulabsolventen aus der DACH-Region. Die Unternehmen zeichnen Master- und Diplomarbeiten aus, die neue Impulse für mehr Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche setzen. Der Preis ist mit 7.500 Euro dotiert. Die Jury bilden Immobilienexperten aus den Geschäftsführungen von D.R.E.A.M., HANNOVER LEASING und der WISAG – sowie eine Gutachtergruppe unter wissenschaftlicher Leitung von Professor Dr.-Ing. Kunibert Lennerts, Fachbereich Facility Management des Instituts für Technologie und Management im Baubetrieb am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
Die Begründung der Jury für die Auszeichnung von Paul Geßner
„Die Arbeit von Paul Geßner verbindet wissenschaftliche Tiefe mit hohem praktischem Nutzen. Besonders überzeugt hat uns, dass er Klimarisiken in ein nachvollziehbares Bewertungsmodell für Wohnimmobilien überführt und empirisch überprüft. Dass sich dabei ein Zusammenhang zwischen Klimarisiko und Angebotspreis nachweisen lässt, unterstreicht die Bedeutung für die Praxis. Die Verbindung aus methodischer Innovation, wissenschaftlicher Fundierung und unmittelbarer Anwendbarkeit macht Paul Geßner zu einem überzeugenden Preisträger“, sagt Prof. Dr.-Ing. Kunibert Lennerts. Seine Arbeit zeige erneut, wie wichtig es ist, junge Menschen zu fördern, die sich mit frischem Blick und Begeisterung für mehr Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche einsetzen.
„Die Auszeichnung mit dem NAIMMA bedeutet mir viel. Besonders stolz macht mich, dass die Bedeutung des Stranded Asset Index von Unternehmen aus der Praxis erkannt wird. Ich bin Professor Lars Schöne dankbar, der mich zur Einreichung bestärkt und während meiner Masterarbeit unterstützt hat“, sagt Paul Geßner.